„Reality is far stranger than fiction…“ – Mehrwert durch Animation

Zur Lesung des Romans Jeder Tag wie heute von Ron Segal

von Maimuna Sallah

Beherbergt im intimen Ambiente des kleinen Hauses beim Theater Bremen, präsentierte uns der Autor Ron Segal im Gespräch mit David Safier seinen Debütroman „Jeder Tag wie heute“. Das Publikum konnte dabei sowohl auf Hebräisch, der Originalsprache des Romans, als auch auf Deutsch einem Ausschnitt der wunderbaren Geschichte lauschen. Die Vorstellung des Romans und das Gespräch über die in ihm verhandelten Themen bildeten einen Teil der Lesung im Rahmen der diesjährigen globale°.

Eine besonders schöne Erweiterung dieser Lesung waren die ersten Einblicke, die Segal uns in den Arbeitsprozess seines Animationsfilms zum gleichnamigen Roman gewährte. „Jeder Tag wie heute“ erzählt die Geschichte des israelischen Schriftstellers Adam Schuhmacher und wie diese sich in seinen eigenen Erinnerungen an das Leben und seine verstorbene, große Liebe, auflöst. Damit hat Segal einen Roman geschaffen, der die Erinnerungskultur des NS-Regimes mit den persönlichen Biografiewellen eines Holocaust-Überlebenden verknüpft.

In den Tiefen dieser dunklen Historie verbirgt sich eine emotionale Wahrheit, die über das Überlieferte, sowie das Unaussprechliche hinausgeht. Wie dies anders als in bisherigen Filmen und Büchern über den Holocaust zum Ausdruck gebracht werden kann, versucht der Autor mit seinem Animationsfilm zu illustrieren. Segal stellte vor, wie es zur Entwicklung der Figuren kam, an welchen Realpersonen er sich dabei als Inspirationsquelle orientierte und wie die Zusammenarbeit mit dem Zeichner seinen Romancharakteren ein Aussehen für den Film verlieh. Damit bekam das Publikum erste Einblicke in die Produktion des Films, der auf Romanvorlage erscheinen wird.

Für den Autor steckt in der Realisierung seines Romans als Animationsfilm die Möglichkeit, fiktivere Bilder des Holocaust zu malen, als es die Rezipienten bisher gewohnt waren. Diese Life Action Bilder, gefüllt mit fantastischen Momenten, statuieren ein buntes, detailreiches Bild, ohne die Erinnerungskultur verzerren zu wollen. Vielmehr kann durch die Animation eine Imagination entstehen, die Gefühle und Geschehnisse anders darstellt, als sie es für gewöhnlich wurden – kontrastiv zur bisherigen „dunklen“ Holocaust Repräsentation werden auf diese Weise klassische Bilder der Geschichte durchbrochen.

Beeindruckt von dem Roman an sich und seiner Umsetzung als Animationsfilm, bin ich sehr gespannt auf das Ergebnis dieser ungewöhnlichen und kreativen Idee. Sie verbindet das ‚damals‘ mit dem ‚heute‘ auf einer Ebene, die nicht nur den Schmerz und das ungeheuerliche Verbrechen dieser Zeit festhält, sondern in bewegte Bilder transformiert, die in der digitalisierten Welt von heute Beständigkeit erweisen.

Jeder Tag wie heute. Ron Segal, 2014, Wallstein Verlag, 140 Seiten, 17.90 €

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