Fußball und Identität

Veranstaltungsbericht zur Lesung von Imran Ayata: Ruhm und Ruin

von Sarah Stoffels

Es ist eine kleine Runde, die sich an diesem Dienstagabend in der Stadtbibliothek Neue Vahr eingefunden hat. Zwischen den alten Klassikern und den aktuellen Büchern der Bibliothek sind mehrere Stuhlreihen für die Besucher der Lesung aufgebaut worden, davor stehen ein runder Tisch mit zwei Stühlen. An dem runden Tisch sitzen der Moderator der Lesung, Walter Langlott, und der Hauptcharakter des heutigen Abends, der Romanautor Imran Ayata.

Die Lesung beginnt mit einer kurzen Biografie des Autors. Der Moderator erzählt von Ayatas bisherigem Schaffen und dem Hintergrund des Romans Ruhm und Ruin. Imran Ayata, der in Ulm geboren ist und heute in Berlin wohnt, fing schon in der Schule an verschiedene Texte zu schreiben. Dabei richtete sich sein Augenmerk allerdings vornehmlich auf Zeitungsartikel und dergleichen und weniger auf Romane oder fiktive Erzählungen.

2005 erschien Ayatas erster Erzählband Hürriyet Love Express, der sich bereits mit dem Thema der Migration beschäftigt. 2011 folgte der erste Roman: Mein Name ist Revolution. In diesem Buch werden sehr politische Töne angeschlagen. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn Ayata studierte Politikwissenschaft. In seinem bei der globale° 2017 vorgestellten Roman Ruhm und Ruin klingt ebenfalls eine politische Note an. Jedoch ist sie hier nicht so offen präsent. Denn in diesem Roman geht es um einen Fußballclub. Dass Fußball heutzutage immer auch etwas mit Politik zu tun hat, wird beim Lesen des Buches schnell klar.

Die Entstehungsgeschichte hinter dem Roman ist eine komplexe. Denn zunächst wurde 2013 ein Theaterstück mit dem Titel Liga der Verdammten auf die Berliner Bühne des Ballhauses in der Naunynstraße gebracht. Auf diesem Stück basiert der Roman. Das Theaterstück wiederum sollte einen Bezug zu real existierenden Lebensbedingungen in Berlin haben, woraufhin Ayata Recherchen zu einem von türkischen Migranten gegründeten Fußballverein anstellte. Der Fußballclub, um den alle Protagonisten im Roman Ruhm und Ruin kreisen, basiert somit auf einem real existierenden Verein: Türkiyemspor Berlin.

Der Autor betont jedoch ausdrücklich, dass sein Roman Fiktion ist und nur lose auf den wahren Ereignissen um den Fußballverein beruht. Zudem unterstreicht er mehrfach, dass es ihm wichtig war, die Personen in seinem Roman neu zu erfinden und nur in sehr geringem Maße auf echten Menschen basieren zu lassen.

Neben einer sehr detaillierten und spannenden Besprechung der Erfahrungen, die der Schriftsteller in Bezug auf Migration gemacht hat, werden selbstverständlich auch Passagen aus dem Buch erläutert. Der Autor liest zunächst aus dem ersten Kapitel, das aus Sicht des jungen Deutsch-Türken Arda geschrieben ist, vor. Für Arda und seine Kumpels aus dem Migrationsviertel gibt es nichts Wichtigeres als Fußball. Täglich kicken sie den Ball durch die Gegend in der Hoffnung, eines Tages in der 1. Liga oder sogar in der Nationalmannschaft spielen zu können.

Doch der Fußball erscheint in dem Roman nur als ein Rahmen; ein „Mikrokosmos“ wie es der Autor nennt. In diesem Kosmos erweist sich das Spiel mit dem Ball als ein identitätsstiftendes Werkzeug. In dem Fußballverein treffen Menschen aufeinander und bringen alle ihre politischen, sozialen und kulturellen Probleme mit. So werden in dem 2015 erschienenen Roman ganz aktuelle Themen wie die Situation der Kurden oder das Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen aufgegriffen.

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