Ein Abend, der einem ein Lächeln ins Gesicht schreibt

Veranstaltungsbericht von Änne Gerdes

Auf den ersten Blick scheinen die beiden Autorinnen Safiye Can und Petina Gappah nicht viel gemeinsam zu haben, doch der wunderbare Lesungsabend am 10.11.2017 beweist das Gegenteil. Dem lesebegeisterten Publikum wurden zwei Frauen präsentiert, die schillernder nicht sein könnten.

Zusammen mit der Moderatorin Katrin Krämer wurde eine herzliche Atmosphäre kreiert, die durch die gemütliche und warme Bühnendekoration noch verstärkt wurde. Mit unglaublicher sprachlicher Kraft ließen Safiye Can und Petina Gappah das Publikum in ihre Texte eintauchen und führten sie durch eine Gefühlswelt aus Freude, Anspannung, Ärger, Staunen und Vergnügen. Diese Vielfalt an Emotionen, die Safiyes Gedichte und Petinas Erzählungen hervorzurufen vermögen, zeigt sich auch in inhaltlicher Breite.

In ihrem Gedichtband „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ schreibt Safiye Can über die heutige Welt, über persönliche Erfahrungen mit Multikulturalität, über den Wunsch nach einer Welt voller Liebe. Sie kombiniert politisch motivierte Gedichte voller Direktheit mit gefühlvollen und berührenden Gedankenspielen. „Die Summe aller Menschen bildet die Flagge, andere gibt es nicht“ heißt es dort voller Hoffnung, und diese Hoffnung überträgt sich auf den Hörer, regt zum Nachdenken an, sogar zum Träumen. Diese Worte sind nicht einfach Worte, sie sind Klänge, getragen von der Stimme der Autorin, die ganz in ihrem Element zu sein scheint, wenn sie lebhaft und kraftvoll ihre Gedichte vorliest.

Es sei ungerecht, nach so einer tollen Frau lesen zu müssen, kommentiert Petina Gappah diese gefühlvolle Lesung von Safiye Can. Doch Petinas Lesung von „Die Schuldigen von Rotten Row“ tut der Stimmung im Saal keinen Abbruch. Angenehm freundlich steigt auch sie in das Gespräch ein, erzählt mit Witz von ihren Lebenserfahrungen und ihrem Weg von der Juristin zur Autorin. „Ich habe so viele Sardinen essen müssen“, kommentiert sie schmunzelnd ihre Bemühungen, vom schwedischen Botschafter eine Unterstützung zur Erhaltung der Harare City Library zu bekommen. Ihr soziales und politisches Engagement spiegelt sich auch in ihren Texten wider. In einer bedrückenden Geschichte aus der Sicht eines Henkers kritisiert sie die Todesstrafe in Simbabwe und lässt das Publikum erschaudern. Petina beweist Sensibilität, als sie das Gespräch über das durchaus wichtige Thema abbricht, um die Stimmung wieder zu heben, und liest stattdessen eine vergnügliche Geschichte über Frauen im Frisörsalon, die die Zuhörer erneut zum Lachen bringt.

Gemeinsam schufen diese beiden engagierten, sympathischen, charakterstarken Autorinnen einen Abend, der in Erinnerung bleibt und einem nachhaltig ein Lächeln ins Gesicht schreibt.

 

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