Über das Zusammenspiel von Privilegien und Rassismus

Rezension zu Mohamed Amjahids Unter Weissen: Was es heißt privilegiert zu sein

von Mehregan Behrouz

‚Unter Weissen‘ bezeichnet als Titel so ziemlich genau, was man als Leser*in erwartet: das Leben und einen Alltag inmitten von Menschen, die weiss sind. In seinem Buch macht Mohamed Amjahid seine Erfahrungen beispielhaft zum Mittelpunkt der Erzählung. Geboren in Frankfurt und aufgewachsen in Deutschland und Marokko hat Amjahid zunächst Politikwissenschaften studiert und hinterher eine Karriere als Journalist gestartet: Er arbeitet momentan als Redakteur bei der Zeit. Eigentlich eine sehr weisse Karriere. Dennoch begegnen ihm immer wieder Menschen, die ihm erklären möchten wie Fahrradwege funktionieren, wie man als vermeintlich geflüchtete Person richtig Hilfe annimmt und solche, die ihn als nichts anderes wahrnehmen wollen als eines: Nicht-weiss.

Mohamed Amjahid ist mit seinem Buch ein kleines Meisterwerk gelungen, in welchem er auf geduldigste Art und Weise Rassismus und dessen Begleiterscheinungen, anhand von persönlichen Erinnerungen, Gedanken und Erlebnissen erklärt. Das Buch liefert einen tiefen Einblick in, für viele Menschen of Color, alltägliche Rassismuserfahrungen – in all ihren Farben und Formen. Angesprochen wird hier vor allem der weisse, privilegierte Mensch, der in den meisten Fällen keinen Zugang zu ebensolchen Situationen hat. Dabei wird erklärt, was weiss-sein überhaupt bedeutet, wie Rassismus funkioniert und auch welche Effekte er haben kann.

Amjahid offenbart eine ganze Menge aus seinem persönlichen Erlebnisrepertoire und beweist damit, dass er seinen Leser*Innen vertraut. Mit einer sehr ehrlichen und klaren Stimme deckt er ein unheimlich weites Spektrum an Themengebieten ab – von Eurpoas kolonialrassistischer Vergangenheit bis hin zu den NSU Morden und dem aktuellen politischen Aufschwung der AfD. Hier und da bespickt mit humorvollen und ironischen Einschüben, lässt sich das Buch, trotz der schwer verdaulichen Thematik, doch leicht runterlesen und macht hochkomplexe Sachverhalte leicht zugänglich.

Um sich aktiv an einem antirassistischen Diskurs zu beteiligen ist das Prüfen der eigenen Privilegien unumstößlich. Mohamed Amjahid bietet mit diesem Buch eine ehrliche Unterstützung an jede*n die*der dies wagen möchte.

Mohamed Amjahid: Unter Weissen: Was es heißt, privilegiert zu sein. Hanser Berlin. 2017. 188 Seiten. 16 Euro

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