„We are all translated men“

Erster Übersetzertag im Rahmen der globale°

Ein Erlebnisbericht von Stefanie Jahn

Zum 10-jährigen Jubiläum der globale° fand dieses Jahr der erste Übersetzertag im Rahmen des Literaturfestivals mit Vorträgen der geladenen Gäste aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen rundum das Thema Übersetzen statt. Es kamen Übersetzer, Wissenschaftler, Dozierende, Studierende, Verleger, und auch Autoren, um an dem regen Austausch teilzuhaben. Die ca. 80 Teilnehmenden lernten am Vormittag aus verschiedenen Perspektiven durch abwechslungsreiche Vorträge die Kunst des Übersetzens zu betrachten. Sie hörten, dass Übersetzung nicht nur „Produktion und Kreation“ sein kann, sondern auch „kulturelle Substrate“, eine Möglichkeit der Kommunikation über Grenzen hinaus und eine Auseinandersetzung mit Eignem und Fremden hervorbringt. Denn„We are all translated men“, wie Elisabeth Arend (globale°-Festivalleiterin) Rushdie in ihrer Begrüßungsrede passend zitierte.

Nach einer Mittagspause ging es dann in die einzelnen Workshops mit den unterschiedlichen Übersetzern. Serbisch, Tschechisch, Französisch, Spanisch und Niederländisch waren im Repertoire. Es war aber nicht bei allen Workshops ein Muss die jeweilige Sprache zu beherrschen, da sich die Übersetzer*innen verschiedene Übungen ausgedacht haben, damit die Teilnehmer auch ohne Sprachkenntnisse einen Einblick in die Übersetzungswelt bekommen konnten. So wurden beispielsweise Passagen zu Gedichten oder Reimen umgeformt oder es wurde sich an einem Text, der von einer Punkerin handelt, probiert.

Nach den Workshops haben sich die Gruppen und geladenen Gäste noch einmal zusammengefunden, um sich über Ergebnisse, Schwierigkeiten und aufgetauchte Fragen zu diskutieren. Die eine Gruppe rückte die Schwierigkeit des Übersetzens in den Blickpunkt und zog ihren Hut vor der Kunst, eine weitere war schockiert über das rigorose Streichen von übersetzter Poesie durch das Lektorat, weil (in diesem Falle) deutsche Leser nichts damit anfangen könnten und eine andere fand den Tandemgedanken interessant, der den Autor miteinbezieht. Aber über eines waren sich alle klar: Der Geist des zu übersetzenden Textes muss erfasst und mitübersetzt werden, welches auch zu gleich meist die größte Herausforderung für die Übersetzer ist.

Zwar war leider für manches, wie zum Beispiel eine lebhafte Diskussion, zu wenig zeitlicher Raum eingeplant, aber dennoch war es ein sehr gelungener Tag, von dem ich etwas mitgenommen habe. Es sollten Veranstaltungen wie der Übersetzertag in Rahmen wie Literaturfestivals fest verankert werden, da sie einen wichtigen Teil der literarischen Welt bilden und es für die Teilnehmenden eine gute Möglichkeit eines Einblickes in die Übersetzerkunst bietet.

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