Über die Kooperation der globale mit dem Institut Français

Ein Interview mit Prof. Dr. Elisabeth Arend, Festivalleitung

Von Lea Sophie Birke und Stefanie Jahn

blogale: Elisabeth Arend, wie kam es zur Kooperation der globale mit dem Institut Français und seit wann besteht sie?

EA: Die Zusammenarbeit entstand vor vier Jahren durch die Kooperation der globale mit der Universität. Damals schlug ich vor, mit Boualem Sansal auch einen französischen Autor einzuladen, das haben wir dann über das Institut Français gemacht. Das Institut hat aber vorher auch schon insofern mit der globale zusammengearbeitet, als die Auftaktveranstaltungen dort stattfanden, als das Festival noch kleiner war. Nachdem Sansals Lesung ein großer Erfolg war, haben wir beschlossen, das auszubauen. Und jetzt im Jubiläumsjahr haben wir diesen größeren Rahmen genutzt, um dann mehrere Autoren einzuladen.

Die Idee mit der Kooperation mit dem Festival Étonnants Voyageurs in Frankreich war ursprünglich die Idee des Direktors des Institut, Philippe Wellnitz. Wir sind ein sehr kleines Festival, während die Étonnants ein Riesenfestival sind, zudem ist Frankreich ein zentralisiertes Land und man nimmt oft nicht so richtig wahr, was außerhalb der Grenzen vor sich geht. Also haben wir denke ich ein deutlicheres Interesse an ihnen als die an uns, aber für uns ist es eine tolle Möglichkeit, Autoren auf Festivals zu erleben und von dort aus zu entscheiden, wen wir einladen wollen.

blogale: Sind deshalb Partner wie das Institut Français so wichtig für die globale?

EA: Ja, aber sie sind auch wichtig, weil das Festival sich internationalisiert hat. Und da ist das Institut Français ein Partner, der diese Internationalisierung über die Autoren erlaubt. Aber es ist eben nur einer der internationalen Partner. Groningen in den Niederlanden zum Beispiel ist ein anderer.

blogale: Welche Art von Veranstaltungen gibt es?

EA: In diesem Jahr haben wir neben der klassischen Lesung, die wir ja, wenn es irgend geht, zweisprachig machen, das, was wir Café littéraire nennen. Das heißt wir werden vier Autoren in eine Gesprächsrunde einbinden, in der wir ihnen die Gelegenheit geben, ihre Texte auch lesend vorzustellen – ein Format, das man in Frankreich überhaupt nicht kennt, sodass es für die Autoren eine neue Erfahrung ist, selbst zu lesen und dann von den Lektüren aus ins Gespräch zu kommen. Es ist sozusagen ein kleines Experiment, das wir von deutschen Festivals kennen. Das scheint uns eine ganz spannende und einmal etwas andere Form der Grenzüberschreitung zu sein.

Darüber hinaus haben wir diesmal überlegt, die Lesung der vier Autoren durch ein musikalisches Intermezzo zu unterbrechen, sodass es für das Publikum ein Abend wird, der nicht nur reich an Worten, sondern auch an Musik ist, die die Texte noch einmal spiegelt.

blogale: Wie funktioniert die Zweisprachigkeit bei den Veranstaltungen?

EA: Mal gut, mal schlecht. (Lacht.) Wir haben ja beim Café littéraire bis auf eine Ausnahme nur Autoren, deren Werke nicht übersetzt sind. Deshalb haben wir studentische Übersetzungen als Arbeits- und Verständnishilfen, welche relativ aufwändig vorzubereiten sind. Den Autoren haben wir zuvor Textpassagen vorgeschlagen oder sie uns, die dann von Studierenden übersetzt und schließlich in hektographierter Form in den Lesungen verwendet werden. Hinzu kommt, dass wir als Moderatorinnen unsere Fragen immer selbst übersetzen müssen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. Am Samstag bei Nedim Gürsels Lesung hat es ganz toll funktioniert, weil er sehr diszipliniert ist, das heißt er wartet und spricht in Einheiten, die man auch wiedergeben kann, wenn man kein Simultandolmetscher ist. Es ist also immer total spannend zu sehen, wie die Autoren sich auch auf diese Zweisprachigkeit einlassen.

blogale: Welche Autoren wurden dieses Jahr eingeladen und wie kam es zu der Auswahl?

EA: Einer, der schon da war, ist Mathias Énard, das ist einer der ganz bekannten Autoren in Frankreich und wurde mit dem höchsten Literaturpreis ausgezeichnet. Die Überlegung war, dass wir eben nicht nur frankophone Autoren, die außerhalb Frankreichs ihre Wurzeln haben, einladen, sondern auch einen Repräsentanten der metropolitanischen Kultur.

Alle anderen Autoren kommen in irgendeiner Weise aus frankophonen Gegenden, das heißt nicht aus Frankreich. Wir haben eine Autorin mit vietnamesischen Wurzeln, Doan Bui, eine Autorin, die tunesische Wurzeln hat, Fawzia Zouari. Roland Brival wurde auf Martinique geboren. Nedim Gürsel ist französischer Staatsbürger, stammt aber aus der Türkei und schreibt auf Französisch und Türkisch. Shumona Sinha ist aus Kalkutta, lebt aber in Frankreich, und Boualem Sansal ist frankophoner Algerier. Somit haben wir eine sehr breite Palette der Vielfalt der frankophonen Literaturen, die wir dem Publikum vorstellen wollen, mit einer Mischung aus bekannten und unbekannten Autoren. Die Hoffnung ist, dass wir dem Publikum darüber auch zeigen, dass es sich rentiert, einfach zu stöbern und mal unbekannte Texte zu nehmen, wobei wir diese Autoren alle auf dem Festival gesehen und erlebt haben und daher auch wissen, dass es Autoren sind, die sich auf ein Gespräch einlassen.

blogale: Vielen Dank für das Gespräch. Möchten Sie zum Abschluss noch etwas ergänzen?

EA: Mir ist es auch wichtig, dass wir auch weibliche Autoren vorstellen. Gerade Doan Bui und Fawzia Zouari, das sind beides Journalistinnen, die sich mit ihren literarischen Texten im französischen Markt nicht gut behaupten können. Das ist wichtig. Shumona Sinha auch, die ja mit ihrem ersten Skandalbuch sogar ihren Arbeitsplatz verloren hat. Also das heißt, das sind alles wirklich spannende Frauen mit ganz spannenden Büchern. Natürlich sind die Männer auch spannend, aber das sind unterschiedliche Blicke.

Wir freuen uns, wenn ganz viele Leute kommen, und diese Einladung zum Stöbern und zum Kennenlernen wahrnehmen und nicht nur das, was der Preismarkt schon abgeschöpft hat, immer wieder lesen, sondern eben auch die spannenden Texte, die wahrscheinlich niemals in Preishöhen kommen, aber ganz eigene Perspektiven auf die Welt geben.

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