Lyrik im Quintett

Von Schreibmaschinen und Lampenfieber

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Wie genau ist eigentlich euer Name »gabrieleschreibtgedichte« zustande gekommen?

Gianna Lange: Gabriele ist meine Schreibmaschine, die ich von meinem Onkel geerbt habe und vermutlich noch aus den 50er-Jahren stammt. Als wir auf Namensfindung waren, haben wir uns bei mir zuhause getroffen und abwechselnd unsere Vorschläge auf Gabriele getippt, bis wir sie irgendwann mit in den Namen integriert haben. Seitdem kommt sie auch immer mit zu den Lesungen.

Verfasst ihr denn eure jetzigen Gedichte auch auf Gabriele? Oder eher per Hand oder am Laptop?

Gianna Lange: Ich glaube, dass das bei uns allen ganz unterschiedlich ist. Also ich tippe die Gedichte auf Gabriele ab, sobald sie fertig sind. Vorher entstehen sie aber entweder per Hand oder am PC.

Martina Baljak: Ich schreibe meine Texte meistens auf meinem Tablet.

Gianna Lange: Sie ist unsere Tablet-Lady.

Martina Baljak: Allerdings, als ich auf dem Gymnasium war und anfing Texte zu schreiben, habe ich diese mit der Schreibmaschine geschrieben und finde das auch immer noch sehr schön. Eigentlich ist das Schicksal.

War euch von Anfang an klar, dass ihr eure Gedichte nicht nur auf Deutsch, sondern auch in der jeweiligen Muttersprache beziehungsweise in Sprachen, die ihr gelernt habt, vortragen wollt?

Helge Hommers: Das war schon klar, würde ich sagen. Gerade die Möglichkeit, in mehreren Sprachen zu schreiben, dieses Grenzüberschreitende, ist es ja, was uns besonders macht.

Saskia Bücker: Wobei wir uns jetzt aber nicht auf die Agenda geschrieben haben, dass überhaupt etwas übersetzt werden soll. Das ist dann schon irgendwie spontan gekommen. Als wir uns die Gedichte gegenseitig vorgelesen haben, war das eine Überraschung für die jeweils anderen.

Gianna Lange: Es entstehen auch Ratespiele. Vor allem bei Saskias Gedichten haben einige Zuhörer schon gedacht, dass das Hebräisch sei.

Seid ihr eigentlich vor Auftritten aufgeregt und wenn ja, was macht ihr gegen das Lampenfieber?

Saskia Bücker: Also, wir haben ja immer Martinas Schnaps dabei.

Gianna Lange: Und wir haben einander, das finde ich auch ganz schön. Wir sitzen da nicht alleine. Und im Grunde kann man sich dann nur hinsetzen, durchatmen, Licht an und los geht’s.

Helge Hommers: Und man versucht es sich vor den Anderen nicht anmerken zu lassen. Der erste Auftritt war aber auf jeden Fall der Schlimmste. Das war wirklich furchtbar. Mittlerweile lässt es sich aber gut aushalten. Wenn man in die Gesichter der Zuschauer guckt, freut man sich.

Gianna Lange: Außerdem lernt man bei jedem Auftritt etwas, was man dann beim nächsten Mal auch mit anwendet und es so hoffentlich auch immer ein bisschen besser macht.

Katharina Mevissen: Ich wünsche mir eigentlich auch, dass die Aufregung bleibt. Ich werde immer erst ganz kurz vorher nervös, etwa fünf Sekunden bevor ich anfange zu lesen. Das finde ich aber total schön, weil die Anspannung auch wichtig und besonders ist. Man hat ja irgendwie nicht immer 40 Leute, die einem zuhören.

Saskia Bücker: Ich denke mir im Kopf immer: Ich bin voll entspannt und das wird voll schön. Wenn ich mich dann vorne positioniere, fängt immer mein linkes Knie an zu zucken, ohne dass ich es kontrollieren kann. Das ist dann das Signal dafür, dass ich doch irgendwie reagiere auf diese Anspannung.

Gianna Lange: Irgendwann habe ich immer das Gefühl, dass mein Oberteil mitspringt mit dem Herzen, weil es so sehr schlägt. Und ich höre es auch immer.

Helge Hommers: Du merkst, Aufregung ist gar kein Problem in dieser Gruppe. Die kommt gar nicht vor.

Gianna Lange: Auf jeden Fall denke und hoffe ich auch, dass die Aufregung immer bleibt, denn ohne Lampenfieber erscheint es einem sonst nicht so wichtig.

Martina Baljak: Aber ich bin beispielsweise sehr froh darüber, dass mein Lampenfieber mit jedem Auftritt nachlässt, weil ich es so besser genießen und mehr Spaß daran haben kann.

Was inspiriert euch? Sind es beispielsweise bestimmte Personen oder vielleicht eher Orte und Geschehnisse?

Gianna Lange: Orte auf jeden Fall, aber die Menschen vor Ort und Menschen, mit denen ich dort war, spielen auch eine Rolle dabei.

Saskia Bücker: Ich würde sagen, alles was mir irgendwie nahegeht. Das kommt dann auch wieder raus in Form von Gedichten und Texten.

Helge Hommers: Eine Reise ist immer gut. Reisen und auch mal was anderes zu sehen, dass löst Blockaden im Kopf. Außerdem inspirieren mich die Geschichten meines Opas, die ich ja auch mit in meine Gedichte einfließen lasse.

Katharina Mevissen: Für mich sind es manchmal auch einfach Wortpaare, die irgendwie zusammenpassen und eine Spannung aufbauen. Ich schreibe die dann auf und später kommen sie als Gedicht wieder heraus.

Was hilft euch beim Schreiben? Gibt es bestimmte Rituale, die ihr während des Schreibprozesses einhaltet?

Helge Hommers: Zugfahren hilft.

Martina Baljak: Ja, Zugfahren ist super.

Helge Hommers: Du hast dort kein Internet, wenig Ablenkungsmöglichkeiten und eine schöne Sicht.

Saskia Bücker: Also ich kann das nicht im Zug. Dort bin ich zu sehr abgelenkt und will zu viel gucken. Ich brauche dann doch eher meinen Schreibtisch.

Katharina Mevissen: Ich brauche auch Rückzug und ich muss auf jeden Fall alleine sein. Also Fetzen sammeln das geht immer, egal wo und wann sie gerade kommen. Um daraus etwas Zusammenhängendes zu formen, dafür muss ich dann aber immer ins Schneckenhaus.

Sind in naher Zukunft noch weitere Auftritte von euch geplant?

Gianna Lange: Wir als Gruppe hatten mit dem Thema »Stadt« gespielt, so als nächstes Programm. Da ist noch die Frage, wann genau wir das realisieren können, weil sich bei uns demnächst die Wege ein bisschen zerstreuen.

Helge Hommers: Aber so als Abschieds-Gig wäre das was.

Saskia Bücker: Abschieds-Gig?! Unterbrechungs-Gig.

Katharina Mevissen: Beziehungspausenstärkungs-Gig.

Saskia Bücker: Also, man kann auf jeden Fall noch mit etwas rechnen.

Katharina Mevissen: Und unser Blog wird auch wachsen. Da kann man unsere Gedichte dann nachlesen.

Gianna Lange: Inspiration und Texte sind auf jeden Fall da, wir müssen nur gucken, was wir daraus machen.

Weitere Infos unter http://www.gabrieleschreibtgedichte.wordpress.com


Das Interview führte Ev Neumann
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