Ein paar Fragen an Vea Kaiser

Wie kam es dazu, dass du dir statt einer real existierenden griechischen Insel, eine fiktive Insel ausgedacht hast?

Für den Roman gibt es eine reale Vorbildinsel, die genauso geographisch gestaltet ist, genauso groß ist und genauso viele Einwohner hat, wie Makarionissi. Da ich allerdings immer nur im Sommer dort bin und nicht weiß, wie es auf der Insel im Winter ist, hätte ich da noch mehr recherchieren müssen. Außerdem bin ich eine überzeugte FKK-Gängerin und liege dort auf der Insel im Urlaub immer am Nacktstrand. Da ich nicht wollte, dass die Leute dann am Strand ankommen und sagen: „Ey Frau Kaiser, Autograaamm.“, hab ich mich für die Fiktion entschieden. So war es mir möglich, meine Insel zu schützen und gleichzeitig auch Sachen zu verfremden, damit am Ende des Romans alles passt.

Vea_Kaiser_EvUnd was genau bedeutet Makarionissi?

Das ist eigentlich ganz einfach. Makarionissi bedeutet „Die Insel der Seligen“, abgeleitet aus dem Neugriechischen. Also ganz easy.

Warum war es dir so wichtig das „deutsche Nein“, welches du als „absolut und oft unbegründet“ bezeichnest, mit in den Roman zu integrieren?

Ich hatte zweimal was mit deutschen Jungs. Also mit richtig deutschen Jungs – nicht mit Bayern. Einmal was mit einem Preußen und einmal was mit einem Berliner. Und das deutsche Nein war immer ein riesiger Streitpunkt. In Österreich wirst du nie ein richtiges Nein hören, weil das wahnsinnig unfreundlich ist, während es im norddeutschen Raum ganz normal ist und erwartet wird, einfach und klar Nein zu sagen. In meinen Beziehungen hat dann dieses kleine Wort teilweise ganze Dramen ausgelöst und da ich diesen Umstand der unterschiedlichen Sprachkonzepte so spannend fand, habe ich das deutsche Nein im Roman thematisiert.

Du widmest deinen Roman deinen „Helden und Herzensbrechern“: Wer war der Held deiner Kindheit und wen siehst du heutzutage als Helden an?

Kindheitshelden in dem Sinne hatte ich eigentlich nicht wirklich, weil ich so sehr in der Fiktion lebte, dass ich mir die selbst gebaut habe. Ich war ein sehr fantasievolles Kind und habe die Dinge nie so dargestellt, wie sie waren. Ich musste immer übertreiben, untertreiben, in die Fiktion abrutschen und Dinge dazu erfinden. Außerdem habe ich für mich irgendwann festgestellt, dass von einem Helden ja immer angenommen wird, dass dieser ein guter Mensch ist. Jedoch ist kein Mensch nur gut oder nur böse. Deshalb ist für mich mittlerweile ein Held jemand, der etwas macht, obwohl er weiß, dass er sich damit das Leben irrsinnig schwer macht und trotzdem findet, dass es das Richtige ist. Wie zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen. Menschen, die nach Liberia gehen, um andere Menschen von Ebola zu heilen, genau wissen wie hoch die Gefahr ist sich zu infizieren, aber es trotzdem machen, weil sie es richtig finden.

Hast du spezielle Rituale, die dir beim Schreiben helfen?

Kaffee en masse. Viel Handcreme. Hund.

Hund?

Ja genau. Meine gehörlose Jack Russell Hündin hilft mir, wirklich zuhause sitzen zu bleiben und zu schreiben. Außerdem gilt beim Schreiben für mich: kein Internet, kein Telefon, keine Musik. Ganz still. Hell. Ich brauche viel Licht, sonst werde ich depressiv. Viel Flüssigkeit. Keine Reize von außen. Aber ich habe das perfekte Mittel noch nicht gefunden, weil du dir ja nicht aussuchen kannst, wann die Ideen genau kommen. Zum Beispiel bin ich heute neun Stunden lang Zug gefahren, in denen es für mich nichts zu tun gab und hatte trotzdem keine einzige Idee. Und eben saßen wir hier bei der Lesung mit Tommy Wieringa und ich hatte eine super Idee, aber weder Stift noch Zettel zur Hand um sie aufzuschreiben. Außerdem war es quasi der unpassendste Moment überhaupt. Jedoch kann Zugfahren normalerweise schon sehr helfen. Die Idee mit Manolis und seinem Metalldetektor kam mir beispielsweise bei einer Zugfahrt, bei der ich einen Mann mit so einem Detektor auf einem tschechischen Feld gesehen habe und mich fragte, was genau der suchen könnte. Und so kam die ganze Idee mit Makarionissi eigentlich erst ins Rollen. Die Geschichte wurde also von ganz hinten aufgerollt.

Das Interview führte Ev Neumann.

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