Gesa Olkusz im Gespräch

Legenden ist dein schriftstellerisches Debüt. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe immer schon geschrieben, aber für mich. Das waren eher kurze Sachen und Begebenheiten, um Eindrücke festzuhalten. Während meiner Studienzeit in Berlin habe ich mich dann entschlossen, mich ganz dem Schreiben zu widmen.

Vier Jahre lang hast du daran geschrieben. Hast du dich zuhause eingebuddelt, um den Roman schreiben zu können?

Ich habe nebenher gejobbt, aber das Schreiben die letzten vier Jahre als meine Hauptbeschäftigung angesehen. Für mich sind Routinen sehr wichtig. Ich schreibe tagsüber, denn irgendwann muss der Arbeitstag auch mal vorbei sein. Dabei arbeite ich sehr kleinkreisig. Schreiben braucht viel Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass ich das nicht einfach neben einer anderen Karriere oder dem Studium laufenlassen kann. Ich wollte meiGespräch Olkuszne Konzentration nicht teilen und lieber ganz im Text sein.

Woher kommt eigentlich der Name Gesa Olkusz?

Gesa kommt aus dem Norddeutschen, Olkusz, am Ende ausgesprochen wie -sch, kommt aus dem Polnischen. Der Name ist also eine norddeutsch-polnische Kombination.

Du bist in Bremerhaven groß geworden. Wie ist es, zu einem Literaturfestival, der Globale, nach Bremen zurückzukommen?

Ich wohne jetzt schon seit 1999 nicht mehr hier. Klar, eine gewisse Orientierung habe ich hier schon noch, aber ich kenne Bremen nicht mehr wirklich gut. In der Nähe von Bremerhaven habe ich noch Familie.

Und Berlin als Wohnort ist…

… ein schöner Ort, um frei arbeiten zu können. Einfach, weil dort viele Künstler leben und eine gewisse kreative Energie vorhanden ist. Wobei, vielleicht ist es hier ja auch so?

In deinem Buch gibt es keine eindeutigen Antworten auf die inneren Konflikte der Figuren. Ist es ein Grundkonzept deines Schreibens, Dinge offenzulassen?

Ich würde es nicht als Grundkonzept meines Schreibens, sondern speziell dieses Buches bezeichnen. Mir war wichtig zu betonen, dass es nicht immer auf alles Antworten gibt. Legenden handelt davon, dass die Figuren einen Weg finden, um mit dieser Offenheit leben zu können und damit ihren Frieden zu machen. Das Buch ist frei von politischen Kontexten, es fokussiert stattdessen die Geschichte der Familie. Es geht um Dinge, die dort intern falsch gelaufen sind, nicht um historische Ereignisse. Grundsätzlich lese ich gerne Bücher, die nicht alles auflösen. Sie ermöglichen dem Leser, eine eigene Perspektive auf Bücher zu entwickeln. Ja, ich mag offene Fäden.

Wird die Hauptfigur Filbert am Ende glücklich?

Für mich ist es ein sehr optimistisches Ende, ein sehr positives Ende. Aber das kann natürlich jeder so interpretieren, wie er will.  Jeder hat da eine andere Einstellung zu, eben das, was man am Ende wollen würde.

Manche Leser macht es bestimmt unruhig, dass Legenden ganz offen endet…

Es gibt Menschen, die wollen Geschichten zuende erzählt bekommen. Es gibt ja auch genug Schriftsteller, die handlungsgetrieben erzählen. Ich interessiere mich mehr für Zustandsbeschreibungen.

Haben die Familienlegenden persönliche Bezüge zu dir als Person?

Teilweise. Der Erzählstrang mit dem Hund etwa entstammt einer Legende in der Familiengeschichte meines Mannes. Die Erzählung ist aber schon fiktionalisiert und keine Eins-zu- eins-Umsetzung. Ein Großteil der Legenden hat es aber in abgewandelter Form wirklich gegeben

Das Interview führte Saskia Bücker.

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