„Einfach nur schön“

08.11.2015, 16.00 Uhr | AMS!-Improraum, Fehrfeld 26 | gabrieleschreibtgedichte: FeinkOSTEN VON ALEX KIND Die Sonne steht schon tief am Himmel und schaut gerade noch über die Dächer des Viertels um die Bäume in Herbstfarben erstrahlen zu lassen, als am Sonntagnachmittag um kurz vor vier der Eingangsbereich der Räumlichkeiten des Alsomirschmeckts!-Theaters vollgepackt ist mit entspannten, sympathischen Menschen, die sich auf die Texte des Lyrikkollektivs gabrieleschreibtgedichte freuen. Wie wir später erfahren, haben sich die Mitglieder des Kollektivs Gianna Lange, Martina Baljak, Saskia Bücker, Katharina Mevissen und Hahn im Korb Helge Hommers vor gut einem Jahr an der Uni Bremen getroffen, als alle gemeinsam … „Einfach nur schön“ weiterlesen

Meckern kann jeder

Feridun Zaimoglu – Ein Schriftsteller erklärt sich Von Franziska Rentzsch   Freitag 12:03 Uhr, Stadtbibliothek Bremerhaven. „Herr Zaimoglu ist leider noch nicht da“, heißt die leise Ankündigung einer Mitarbeiterin. Aber im Foyer gebe es einen Kaffeeautomaten. Einige Schüler erheben sich langsam, doch der Autor steht schon in der Tür. Unscheinbar, ganz in schwarz gekleidet und mit einem breiten Lächeln im Gesicht schreitet er an den Stuhlreihen vorbei, setzt sich ans Pult und rückt sich das Mikrofon zurecht. Eine Ankündigung gibt es heute nicht – dafür fehle die Zeit, denn der Moderator suche noch nach einem Parkplatz – und Zaimoglu will … Meckern kann jeder weiterlesen

Lyrik im Quintett

Von Schreibmaschinen und Lampenfieber           Wie genau ist eigentlich euer Name »gabrieleschreibtgedichte« zustande gekommen? Gianna Lange: Gabriele ist meine Schreibmaschine, die ich von meinem Onkel geerbt habe und vermutlich noch aus den 50er-Jahren stammt. Als wir auf Namensfindung waren, haben wir uns bei mir zuhause getroffen und abwechselnd unsere Vorschläge auf Gabriele getippt, bis wir sie irgendwann mit in den Namen integriert haben. Seitdem kommt sie auch immer mit zu den Lesungen. Verfasst ihr denn eure jetzigen Gedichte auch auf Gabriele? Oder eher per Hand oder am Laptop? Gianna Lange: Ich glaube, dass das bei uns … Lyrik im Quintett weiterlesen

Kurzinterview mit Barbara Honigmann:

04.11.2015, 19.30 Uhr | Rangfoyer des Bremer Theaters | Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße, 2015 Ich habe Ihr Buch sehr genossen, ich fand’s schön, wie sie beobachten. Mir ist aufgefallen, dass es ab und zu Formulierungen gibt wie z.B. „die Stämme“, die die LeserInnen und Leser eventuell als politisch inkorrekt bezeichnet könnten. Hat es Sie Überwindung gekostet, das trotzdem so zu schreiben? Nein, nicht wirklich. Das ist auch ironisch, ist ja keine soziologische Untersuchung, sondern eine Beschreibung. Wie gesagt, diese Leute, der Stamm, die wirken so wie ein Stamm und treten als Stamm auf und dann nenn ich sie auch … Kurzinterview mit Barbara Honigmann: weiterlesen

Chronik eines unrunden Abends

04.11.2015, 19.30 Uhr | Rangfoyer des Bremer Theaters | Barbara Honigmann: Chronik meiner Straße, 2015 VON ALEX KIND Als viel beschäftigte Studentin bin ich immerhin zehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung da, aber meine älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger waren schneller und so suche ich mir einen Platz in der vorletzten Reihe, was ich übrigens gleich bereue, denn von der Bühne sehe ich leider nichts, dafür aber eine unschöne Stativ-Beamer-Konstruktion, die nicht etwa hinter der letzen, nein, in der dritten Stuhlreihe aufgebaut wurde. Zum Glück stellen sich alle, die ein Mikrofon in die Hand bekommen, namentlich vor, denn sehen kann ich sie … Chronik eines unrunden Abends weiterlesen

ein lyrisches echo

  ich sitze heute tief im stuhl meine handwärme vergräbt sich gehetzt und getrieben vom vorher schwitzend unterm sitz,   trockene lippen an gekühlter weinperlenschorle bekennen sich zu einem happen wort wir hören alle höflich zu,   der plaudersteuermann verliert die richtung rote farblinien haften am glaskreis gewolltes reden verbummelt den sinn,   endlich dann sitzt du da vorn deine notenschlüsselstimme strahlt stimmt formvollendet meine hörschnecke auf deine buchstabenreihen ein,   vorleseströme tanzen lebendig durch die halle zaubern formvollendete träume in meine herzbrennpunkte wie schön.   Text: Saskia Bücker ein lyrisches echo weiterlesen

Geisteskrank und heimatlos

Ein Gespräch mit Dimitrij Wall   Herr Wall, wo lebt es sich schöner: Im Osnabrücker Umland, da wo Sie groß geworden sind, oder in Berlin, Ihrem jetzigen Lebensmittelpunkt? Beides hat seine Vorzüge. Zum einen bin ich gerne bei einem Kumpel in der Nähe von Osnabrück, der dort einen Bauernhof gekauft hat. Dort lebt es sich sehr gut, aber länger als zwei Wochen halte ich es dort nicht aus. Dafür bin ich dann doch mittlerweile zu sehr Berliner. Wenn man Ihre Biografie mit den Geschehnissen in Ihrem Roman vergleicht, werden Parallelen ziemlich schnell offensichtlich. Ist das Buch somit auch in gewisser … Geisteskrank und heimatlos weiterlesen

Von Liebe, Schmerz und Disziplin

Wieviel Angepasstheit steckt in einer Ehe, wieviel Wahrheit in einer Beziehung? In ihrem aktuellen Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ stellt Olga Grjasnowa provokante Fragen über die Liebe und überrascht mit unromantischen Antworten über den gesellschaftlichen Druck von außen, Egoismus und die Angst vor dem Alleinsein.
Eine Rezension von Franziska Rentzsch Von Liebe, Schmerz und Disziplin weiterlesen

Verliebt in einen Neonazi

Der politische Krimi um zwei vernachlässigte Jugendliche steckt voller Kitsch und zweifelhafter Aussagen über Geschlechterrollen. Rezension von Alex Kind Was macht Eindruck auf Pubertierende? Mädchen mögen starke Männerarme, Jungs finden Tätowierungen cool. Was kommt dabei heraus, wenn man beides kombiniert? Das Cover zu Elisabeth Zöllers neuem Jugendroman F.E.A.R. Zu sehen ist ein männlicher Oberarm, über dessen schön definierten Bizeps der Titel des Buches in Tattoo-Optik gephotoshoppt wurde. Auch zwischen den Deckeln geht es blümchen-sexy weiter: Ausschweifend erzählt die 17-jährige Clara, wie verknallt sie in ihren Freund, den Finnen Joonas ist. Sie schreibt einen Bericht für Artur Kekkonen von der finnischen … Verliebt in einen Neonazi weiterlesen

Ein Dichter, der gern in fremde Häute schlüpft und von der Rettung von Flüchtlingen erzählt

Von Elisabeth Arend Wer hätte gedacht, dass ein Roman über eine weithin unbekannte historische Person namens Aristides de Sousa Mendes (1885-1954), der 1940 als portugiesischer Konsul in Bordeaux wirkte, im Herbst 2015 von bedrückender Aktualität in Deutschland sein könnte? Und was treibt einen französischen Autor algerischer Herkunft dazu, scheinbar abseits literarischer Moden einen historisch-biographischen Roman zu schreiben? Einen Roman zumal, der in Sprache und Stil klassischer kaum sein könnte, aus der Feder der großen Marguerite Yourcenar hätte stammen können, und der sich an wahrlich große Themen heranwagt: An Gläubigkeit, Gewissen und Sünde, Liebe und Verrat, an Verantwortung und Schuld, an … Ein Dichter, der gern in fremde Häute schlüpft und von der Rettung von Flüchtlingen erzählt weiterlesen

Leben in einem Durchgangsort

Rezension von Alex Kind Seit 1984 lebt die gebürtige Berlinerin Barbara Honigmann in Straßburg. Diesen Februar veröffentlichte sie Anekdoten, die durchsetzt sind mit Beobachtungen zu Fremdheit und Identität. Die Rue Edel ist ein Durchgangsort für Zugewanderte. In ihrem kleinen Band Chronik meiner Straße berichtet Barbara Honigmann als Ich-Erzählerin, wie die Leute kommen und gehen, wie sie selbst kam, aber nie wieder ging. Als scheinbar einzige Konstante dieser Straße erkennt die Autorin die Ordnung im Chaos. Denn die Rue Edel durchläuft immer wieder den gleichen Zyklus von Aufschwung und Abschwung, von guten Zeiten und schlechten Zeiten. In kurzen Episoden, deren Figuren … Leben in einem Durchgangsort weiterlesen

Ein paar Fragen an Vea Kaiser

Wie kam es dazu, dass du dir statt einer real existierenden griechischen Insel, eine fiktive Insel ausgedacht hast? Für den Roman gibt es eine reale Vorbildinsel, die genauso geographisch gestaltet ist, genauso groß ist und genauso viele Einwohner hat, wie Makarionissi. Da ich allerdings immer nur im Sommer dort bin und nicht weiß, wie es auf der Insel im Winter ist, hätte ich da noch mehr recherchieren müssen. Außerdem bin ich eine überzeugte FKK-Gängerin und liege dort auf der Insel im Urlaub immer am Nacktstrand. Da ich nicht wollte, dass die Leute dann am Strand ankommen und sagen: „Ey Frau … Ein paar Fragen an Vea Kaiser weiterlesen

Lebendiges Schreiben

Ein Abend mit Tommy Wieringa und Vea Kaiser in der Stadtbibliothek Bremen. Ein Bericht von Ev Neumann. Es ist kurz nach 19 Uhr als der niederländische Autor Tommy Wieringa und Moderator Tobias Pollok die Bühne im Wall-Saal der Stadtbibliothek betreten und sich in die roten Ledersessel setzen. Der dritte Sessel bleibt vorerst leer, da der Zug von Vea Kaiser verspätet ist. Ein Stöhnen und Gemurmel über die Unfähigkeit der Deutschen Bahn geht durch das Publikum. Doch schnell hebt sich die Stimmung wieder, als Tobias Pollok sehr bemüht aber dennoch vergeblich versucht, den Geburtsort Wieringas korrekt auszusprechen. Die beiden Gesprächspartner verstehen … Lebendiges Schreiben weiterlesen

Von Hobby-Hippie-Kommunisten, vorhersehbaren Bruchlandungen und einer griechischen Familienbande auf der Suche nach dem Glück – eine moderne Heldenreise

Vea Kaiser schafft mit ihrem Werk Makarionissi oder Die Insel der Seligen eine Familiengeschichte über vier Generationen, deren Mitglieder in mehrere Länder und Kontinente reisen, um am Ende in der Jetztzeit wieder vereint zu sei. Wobei jeder auf seine eigene Weise sein Glück findet. Von Charlotte Wagner Es beginnt alles in Varitsi, einem griechischen Bergdorf an der Grenze zu Albanien im Jahr 1956: Yiayia Maria Kouzis deutet die Zeichen falsch. Sie sorgt dafür, dass ihr Familienerbe nicht den Bach heruntergeht, indem sie ihren einzigen männlichen Enkel Lefti seiner vier Jahre jüngeren Cousine Eleni verspricht. Dass aber das Lesen im Kaffeesatz … Von Hobby-Hippie-Kommunisten, vorhersehbaren Bruchlandungen und einer griechischen Familienbande auf der Suche nach dem Glück – eine moderne Heldenreise weiterlesen

Von Frauen, Viren und Affären

Der niederländische Autor Tommy Wieringa erzählt in „Eine schöne junge Frau“ von der Midlifecrisis eines erfolgreichen Wissenschaftlers. von Helge Hommers Es könnte so schön sein, das Leben des Virologen Edward Landauer: Er ist mit der bildhübschen, fünfzehn Jahre jüngeren Ruth verheiratet, erwartet mit ihr das erste gemeinsame Kind, und auch im Job klettert er die Karriereleiter stetig weiter nach oben – trotzdem lässt sich der Fast-Fünfzigjährige auf eine Affäre mit einer Arbeitskollegin ein. Denn er erkennt, dass eine schöne junge Frau zu lieben nur den Drang verstärkt, sich eine noch jüngere Geliebte zu nehmen. Dabei war es gar nicht ihre … Von Frauen, Viren und Affären weiterlesen

Navid Kermani und die großen Fragen

Die Eröffnung der Globale in der Bremischen Bürgerschaft/1.11.2015 18 Uhr Reger Andrang herrscht im Foyer der Bremischen Bürgerschaft. Über 250 Gäste zählen die Veranstalter der Globale bereits. Eine Menschentraube wartet bis zuletzt, sie alle stehen auf der Warteliste und wollen noch rein. Schließlich kommt Navid Kermani nicht jeden Tag nach Bremen. Doch die Prominenz lässt sich Zeit. Grund ist, wie hätte es auch anders sein können, die Deutsche Bahn. Die Lesung wird eine Stunde nach hinten verschoben, der Andrang bleibt. Die Stuhlreihen sind bis auf den letzten Platz besetzt, die Besucher vertreiben sich die Zeit mit Rotwein, Weißwein, Sekt und … Navid Kermani und die großen Fragen weiterlesen

Gesa Olkusz im Gespräch

Legenden ist dein schriftstellerisches Debüt. Wie bist du zum Schreiben gekommen? Ich habe immer schon geschrieben, aber für mich. Das waren eher kurze Sachen und Begebenheiten, um Eindrücke festzuhalten. Während meiner Studienzeit in Berlin habe ich mich dann entschlossen, mich ganz dem Schreiben zu widmen. Vier Jahre lang hast du daran geschrieben. Hast du dich zuhause eingebuddelt, um den Roman schreiben zu können? Ich habe nebenher gejobbt, aber das Schreiben die letzten vier Jahre als meine Hauptbeschäftigung angesehen. Für mich sind Routinen sehr wichtig. Ich schreibe tagsüber, denn irgendwann muss der Arbeitstag auch mal vorbei sein. Dabei arbeite ich sehr … Gesa Olkusz im Gespräch weiterlesen