Legenden von Gesa Olkusz

Rezensiert von Saskia Bücker „Wollen Sie meine Schuhe?“, bietet der Mann hilflos an. „Er trägt doch welche!“, keift die Frau und auch ich schüttle heftig den Kopf, beinahe reißt es mich rückwärts auf die S-Bahn-Schienen tief unter mir. Natürlich ist es das Kind, das den tatsächlichen Sachverhalt zuerst begreift. „Die Schuhe!“, brüllt es begeistert und deutet mit seinem dicken Händchen in die Höhe. Ich nicke ihm wohlwollend zu. Über mir am Laternenpfahl schaukelt ein Paar eleganter Damenschnürstiefel. Alles beginnt und endet mit einem Paar eleganter, schwarzer Damenschnürstiefelchen. Filbert entdeckt sie auf einem Brückengeländer der S-Bahn, und plötzlich spukt eine alte … Legenden von Gesa Olkusz weiterlesen

„Aber ich will dir doch von den Elefanten erzählen“

Martin Kordić erschafft mit Wie ich mir das Glück vorstelle eine außergewöhnliche Geschichte von Vergangenheit und Gegenwart, Krieg und Frieden, Elefanten, Familie, Sehnsucht, Hoffnung und ja, auch vom Glück.   Von Hannah Elleringmann Viktor schreibt mit einem Bleistift in ein Heft. Er erzählt von dem, was er weiß, erzählt seine Lebensgeschichte für den einen, der sie liest. Seine Geschichten folgen keinem erkennbaren Muster, er schreibt auf, was ihm wichtig erscheint. Für jede geschriebene Seite malt er einen Elefanten an die Wand seiner Behausung, 170 werden es am Ende sein. Der Junge berichtet vom Land aller Völker, der Stadt der Brücken … „Aber ich will dir doch von den Elefanten erzählen“ weiterlesen

Erinnerungen an eine verlorene Heimat

Massum Faryar verwebt in seinem Debütroman „Buskaschi oder der Teppich meiner Mutter“ die Geschichte Afghanistans mit der einer Familie und erschafft so eine märchenhafte, aber vergangene Welt. Von Luise Peters Massum Faryar, der in Afghanistan geboren wurde, kam 1982 nach Deutschland, studierte in München und lebt heute in Berlin. In „Buskaschi oder der Teppich meiner Mutter“ beschreibt er seine Heimat zwischen den 1920er und 1980er Jahren, und erweckt sie anhand der Geschichte der Familie Dschikani wieder zum Leben. Seinen Roman, durch dessen Struktur sich märchenhafte Elemente und allegorische Figuren ziehen, bezeichnet er „nicht nur als Lebens-, sondern auch als Gewissenswerk“. … Erinnerungen an eine verlorene Heimat weiterlesen

Das emotionale Erdbeben

Kettly Mars erzählt in „Ich bin am Leben“ von den indirekten Konsequenzen des großen Erdbebens für eine haitianische Familie und zeichnet ein feines Bild der emotionalen Verfasstheit der einzelnen Familienmitglieder. Von Sina Peters Nach dem schrecklichen Erdbeben von 2010 muss der an Schizophrenie und Autismus erkrankte Alexandre die Psychiatrie nach über 40 Jahren Internierung verlassen, weil dort die Cholera ausbricht. Innerhalb von 48 Stunden muss seine Familie ihn wieder zuhause unterbringen. Diese Situation stellt die einzelnen Mitglieder – seine zwei Schwestern Maylène und Gabrièle, ihren Ehemann Jules, seinen Bruder Grégoire und nicht zuletzt seine Mutter Éliane – vor große Herausforderungen. … Das emotionale Erdbeben weiterlesen