„Ich habe nie erfahren, warum meine Eltern mich so genannt haben.“

Tag 1: Zur Lesung von Amin Maalouf am 20.11.2014 im Institut Français

Von Kristin Krause1972527_953506571330994_4687273943054716823_n

Schon vor Beginn der Veranstaltung hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die zweisprachige Lesung von Amin Maalouf, die sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch abgehalten werden sollte, im Hinblick auf diejenigen in Publikum, die die französische Sprache nicht beherrschen – und zu denen ich mich auch zählte – wohl ablaufen würde. Bei mir lag das Schulfranzösisch schon Jahre zurück und außer ein paar Brocken war leider nicht allzu viel übrig geblieben. Trotz alledem freute ich mich wahnsinnig auf die Lesung dieses wunderbaren, einfühlsamen Romans.

Sobald man das Institut betrat, umschwirrte einem die französische 1610827_953506987997619_122497402791427634_nSprache, in der sich viele Besucherinnen und Besucher unterhielten. Das passende Ambiente war somit gesichert und der ältere Herr, der neben mir saß, tat mit seiner typisch französischen Schiebermütze sein Übriges. Erfreulicherweise war die Veranstaltung mit einem gemischten Publikum gut besucht, von Jung bis Alt war alles vertreten. Nach einer kurzen Begrüßung des Direktors des Institut français, zunächst auf Französisch, dann auf Deutsch, übernahm Prof. Dr. Elisabeth Arend das Wort, die ebenfalls eine etwas längere Begrüßungsrede an Amin Maalouf und das Publikum hielt. Dies tat sie zwar ebenfalls auf Französisch, doch konnte man ihr ohne Probleme folgen, da im Vornherein Handzettel mit der deutschen Übersetzung verteilt wurden. Es war eine schöne Rede über Maaloufs Werk als eine Reflexion über den kulturellen Reichtum der Welt, insbesondere der Levante und über sich selbst. Maalouf, wuchs in einer aus dem Libanon entstammenden kosmopolitischen Familie auf. Aufgrund des Bürgerkrieges 1967 musste er jedoch das Land verlassen und nach Paris emigrieren, wo er seit nunmehr 40 Jahren lebt. Mit diesem Hintergrund entstand sein neuestes Werk, „Die Verunsicherten“. Ein autobiographischer Roman, für des10407416_953506657997652_3593292399927230070_nsen Lesung vier Stellen ausgesucht wurden, die unterschiedlicher nicht sein könnten und damit die verschiedenen Aspekte des Romans anschnitten.

Als Maalouf dann endlich selbst das Wort übernahm und zu lesen begann, wurde schnell klar, dass der Autor nicht nur brillant schreiben, sondern auch seine Texte wunderbar vortragen konnte. Obwohl ich, trotz der guten Idee, den vorgelesene Text zeitgleich auf eine Leinwand zu projizieren, nicht viel verstand, hörte ich gerne zu. Maalouf hatte eine angenehme, ruhige Stimme, die den schönen Klang der französischen Sprache nur noch mehr unterstrich. Die deutschen Übersetzungen der Passagen wurden von Frau Arend direkt im Anschluss der einzelnen Stellen übernommen. Einziger Wermutstropfen waren die amüsanten Bemerkungen Maaloufs, die zwar das sprachkundige Publikum zum Lachen brachte, alle anderen jedoch ein wenig verloren auf ihren Sitzen zurück ließen.

Im Anschluss an 10628134_953507267997591_4588621072754890889_ndie Lesung kam noch eine kurze Diskussion auf, die verschiedenste Aspekte zum Roman, aber auch zu Maaloufs Leben beinhaltete. So antwortete er auf die Frage, ob es schwierig sei, einen autobiographischen Roman zu schreiben, dass dieser Roman eine andere Art des Schreibens bedurfte. Jedoch sei er weniger autobiographisch als man denkt, vielmehr hat er verschiedenste Elemente aus der Zeit, in der der Roman spielt, genommen und sie neu zusammengesetzt. Politisch wurde die Diskussion dann durch die Frage ob der Israelisch-Arabische Konflikt die zentrale Konfliktlinie darstellt oder aber die Teilung der Arabischen Welt. Darauf antwortete er, dass ein Problem der Region sei, dass es so viele Probleme gibt und dass somit kein zentrales Problem gegeben ist, sondern eher eine Verästelung der verschiedenen Probleme.

Durch die Auswahl der Textstellen und der anschließenden Diskussion bekam man tiefen Einblick zu den wichtigsten Aspekten des Romans. Vor allem zu den persönlichen Ansichten des Autors über die aktuellen und historischen Vorfälle im Nahen Osten. Mir persönlich hat sich nochmal eine andere Sichtweise eröffnet und ich habe Standpunkte kennengelernt, über die ich noch nicht nachgedacht hatte. Somit war für mich – neben der Lesung der vier hochinteressanten, spannenden aber auch amüsanten Textstellen – die Diskussion eines der Highlights an diesem Abend.

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