Vom Biertrinken, Rock’n’Roll und der Weltgeschichte.

Tag 4: Bericht zur Lesung von Jaroslav Rudiš‘ „Vom Ende des Punks in Helsinki“ am 23.11.2014 im Bremer Theater Von Kristin Krause Man sollte meinen, dass alleine durch den Titel “Vom Ende des Punks in Helsinki”, Jaroslav Rudiš‚ neuestes Werk wie eine Bombe in Finnland einschlagen müsste. Seine finnische Lektorin, die nach einer gelesenen Seite den Roman in das Programm aufgenommen hatte, war ebenfalls davon ausgegangen. Dabei herausgekommen ist jedoch einziges Desaster, keine einzige Besprechung wurde über den Punk veröffentlicht. Rudiš freute sich trotzdem, immerhin wurde sein Werk auf Finnisch veröffentlicht. Mit dieser Anekdote begann der tschechische Autor seine bereits … Vom Biertrinken, Rock’n’Roll und der Weltgeschichte. weiterlesen

Tag 3: Kurzinterview mit Jaroslav Rudiš

Kurzinterview mit Jaroslav Rudiš nach seiner Lesung im Bremer Theater am 23.11.2014 1. Was gefällt Ihnen an der Globale? Ich finde einfach dieses Treffen toll. Ich muss sagen, ich habe mich sehr gefreut, dass ich z.b. Sasa Stansisic getroffen habe, der war gestern schon da und ich mag seine Bücher sehr. Ich habe auch das letzte Buch von ihm gelesen und das erste gelesen. Und wir beide erscheinen im gleichen Verlag in Deutschland aber auch in Tschechien. Man sieht sich nicht so oft, also ist es auch gut an diesem Treffen, dass die Autoren sich hier treffen. Und ich finde … Tag 3: Kurzinterview mit Jaroslav Rudiš weiterlesen

Tag 2: Kurzinterview mit Saša Stanišić

Kurzinterview mit Saša Stanišić nach seiner Lesung zur Eröffnungsveranstaltung der Globale am 21.11.2014 1. Was gefällt Ihnen an der Globale? Tolle Autoren. Es ist wirklich ein unglaubliches Programm, das wirklich die Gegenwartsliteratur nicht nur Deutschlands, sondern weltweit so ein bisschen berührt. Ich finde die Themenvorgabe ganz gut. Ich mag es nicht wenn Festivals, oder was heißt ich mag es nicht, also es ist eine seltsame Geschichte, wenns offene es Festivals gibt, ohne die Themensetzung. [Es ist] sehr gegenwärtig, wichtig, und das über Literatur zu besprechen finde ich auch ganz schön. Und natürlich die Nähe zu Hamburg. 2. An die Personen, … Tag 2: Kurzinterview mit Saša Stanišić weiterlesen

„Ich habe nie erfahren, warum meine Eltern mich so genannt haben.“

Tag 1: Zur Lesung von Amin Maalouf am 20.11.2014 im Institut Français Von Kristin Krause Schon vor Beginn der Veranstaltung hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die zweisprachige Lesung von Amin Maalouf, die sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch abgehalten werden sollte, im Hinblick auf diejenigen in Publikum, die die französische Sprache nicht beherrschen – und zu denen ich mich auch zählte – wohl ablaufen würde. Bei mir lag das Schulfranzösisch schon Jahre zurück und außer ein paar Brocken war leider nicht allzu viel übrig geblieben. Trotz alledem freute ich mich wahnsinnig auf die Lesung dieses wunderbaren, einfühlsamen … „Ich habe nie erfahren, warum meine Eltern mich so genannt haben.“ weiterlesen

Tief unter der Erde, um uns herum nur Tote. Lebende finden uns nicht.

Tag 2: Bericht zur Langen Nacht im Bremer Theater mit der Kafka Band am 22.11.2014 Von Kristin Krause Wer Kafka schon mal gelesen hat, weiß was einen erwartet. Wer schon mal auf einem Konzert war, weiß ebenfalls was ihn zu erwarten hat. Wenn diese beiden Elemente jedoch aufeinandertreffen, entsteht etwas, das es so vielleicht kein zweites Mal gibt. Im Vorhinein wollte ich mich ein wenig auf den Abend vorbereiten und lieh mir so „Das Schloss“ aus, jenes Fragment Kafkas, das durch die Band musikalisch umgesetzt wird. Nach den ersten 50 Seiten wurde mir klar, dass das ein schönes Stück Arbeit … Tief unter der Erde, um uns herum nur Tote. Lebende finden uns nicht. weiterlesen

„Ein Text muss krachen“

Tag 2: Lesung von Saša Stanišić im Moments von Silvia Rosenlund Vor dem Fest von Sasa Stanišić ist ein Buch, an dem man nicht vorbeikommt. Hochgelobt, vielfach ausgezeichnet und zudem ein absoluter Bestseller. Aber gibt es trotzdem auch Leser, die anderer Meinung sind? Es gibt sie. Ich kenne einige, die den Roman begonnen haben und nicht damit zurechtkamen, verunsichert waren, nicht recht wussten, wie man ihn am besten lesen könnte. Und ganz ehrlich gesagt, ich gehöre auch dazu. Und ich kann allen, denen es ähnlich geht und die das Buch nach einigen Passagen wieder aus der Hand gelegt haben, nur … „Ein Text muss krachen“ weiterlesen

Arnon Grünberg: Der Mann, der nie krank war

Von Laura Höfler Der junge Schweizer Architekt Samarendra Ambani, genannt „Sam“, wittert nach der Gründung eines eigenen Architekturbüros seinen großen Durchbruch: Er will eine Oper in Bagdad bauen, denn „keine Demokratie ohne Oper“. Seine Naivität soll allerdings nicht ohne Folgen bleiben. Während seiner Reise stellt sich heraus, dass es die Agentur, die den Bauauftrag gegeben hat, gar nicht gibt und der Bauherr, den Sam in Bagdad treffen soll, brutal ermordet wurde. Sam selbst landet in einer Folterzelle, in der er wochenlang gefangen gehalten wird, bevor er von der Schweizer Botschaft gefunden und befreit werden kann. Nach seiner Rückkehr in die … Arnon Grünberg: Der Mann, der nie krank war weiterlesen

Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther

Von Maia Gvelesiani So wie Petrowskajas Erzählerin nach den hebräischen Buchstaben auf dem Pflasterweg in Kalisz sucht, die aus zersägten jüdischen Grabsteinen stammen – „Ein System der Vernichtung mit mehrfacher Sicherung“ – so sucht und findet sie auch die Spuren ihrer auf der ganzen Welt zerstreuten Verwandtschaft und ihrer Vorfahren. Eine bewegende Geschichte, deren Protagonisten nicht nur ein Teil des Buches, sondern auch ein Teil der grausamen geschichtlichen Wahrheit sind. „Die Vierzehn ergeben mehr als die Tausend.“ Die Rede ist von vierzehn Kriegsgefangenen und Juden, die als „Apfelbaumschmuck“ zum 14. Geburtstag des Kommandantensohnes im Mauthausener KZ im Jahr 1941 erhängt … Katja Petrowskaja: Vielleicht Esther weiterlesen

Kirsten Boie: Schwarze Lügen

Ein kleiner Ausflug ans Meer endet auf der Flucht. Und aus einem ganz normalen Mädchen wird eine offiziell gesuchte Kriminelle. In Schwarze Lügen zeigt Kirsten Boie, wie Zufälle gepaart mit Notlügen und Vorurteilen dazu führen, dass manchmal alles ganz anders kommt, als man denkt. Von Silvia Rosenlund Der Kriminalroman handelt von Melody, die plötzlich von der Polizei verdächtigt wird, in einen Bankraub verwickelt zu sein, den ihr Bruder begangen haben soll. Die Spuren am Tatort und die Tatsache, dass Melody durch einen dummen Zufall mit der Beute des Bankraubs unterwegs ist, scheinen für die Polizei perfekt zusammen zu passen. Schließlich entsprechen … Kirsten Boie: Schwarze Lügen weiterlesen

Kirsten Boie: Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen

„Für dein Leben wünsche ich mir, dass du glücklich wirst. Dass die Krankheit nicht in dir lauert.“ Mit großer Sensibilität schildert Kirsten Boie den Alltag von vier Kindern aus Swasiland, in dem Armut, Krankheit und Verantwortung ganz selbstverständlich sind.  Von Silvia Rosenlund Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen. Diesen Satz von ihrer Mutter hat Sonto noch im Ohr. Sie ist eins von vier Kindern aus Swasiland, einem Land, in dem die durchschnittliche Lebenserwartung 31 Jahre beträgt, weil es die höchste HIV-Infektionsrate weltweit hat und in dem 45% aller Kinder Waisen sind. Die Geschichten erzählen davon, wie die Kinder … Kirsten Boie: Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen weiterlesen

Deniz Utlu: Die Ungehaltenen

„Mit den Zähnen zog ich den Stift aus der Handdrohne, die ich noch aus dem Dritten Weltkrieg hatte, und ließ sie dem Moderator in den vor Schreck offenen Mund fliegen“ – Ungehalten ist ein sehr milder Ausdruck für das, was in Elyas, dem Protagonisten des Erstlingswerkes von Deniz Utlu vorgeht. Sind Gewaltfantasien, Wut und das Gefühl von Leere das einzige, was dem jungen Elyas bleiben? von Sebastian Klaßen Müde und erschöpft von sozialen und gesellschaftlichen Ritualen ergibt sich der in Berlin lebende Deutschtürke Elyas immer weiter seiner Apathie und steigert sich zunehmend in aggressive imaginäre Szenarien, die er gegen seine … Deniz Utlu: Die Ungehaltenen weiterlesen

Britanni Sonnenberg: Heimflug

Was bedeutet Heimat, wenn man überall und nirgendwo zu Hause ist? Diese Frage versucht Brittani Sonnenberg in ihrem autobiografischen Erstlingswerk zu beantworten und erzählt, was passiert, wenn Heimat nicht mehr an einen Ort gebunden ist, sondern sich durch die Familie konstituiert. Von Kristin Krause Laut Definition des Dudens bedeutet Heimat ein „Land, Landesteil oder Ort, in dem man geboren und aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt.“ Für Familie Kriegstein trifft dies jedoch nicht zu. Chris Kriegstein ist Geschäftsführer einer großen Firma und muss dadurch alle paar Jahre in ein neues Land umziehen. Ihm folgen seine Frau … Britanni Sonnenberg: Heimflug weiterlesen

Jagoda Marinić: Restaurant Dalmatia

Von Ana Hogue Das Buch Restaurant Dalmatia, geschrieben von der deutsch-kroatischen Schriftstellerin Jagoda Marinić, Tochter kroatischer Einwanderer aus Dalmatien, erzählt die Geschichte der 38-jährigen Mia. Mia Markovich, geborene Mija Marković, Tochter eines kroatischen Gastarbeiters in Berlin-Wedding, ist eine Frau mit zwei Vor- und Nachnamen, mit verschiedenen Herkunfts-, Geburts- und Wohnorten und sie sucht ihre Identität, ihre Kindheit, ihre Heimat. Ihr Leben ändert sich ständig, genauso wie die Buchstaben in ihren Vor- und Nachnamen. Thema ist ihre zweiwöchige Reise von Toronto nach Berlin und später nach Dalmatien. In Toronto  steht Mias Leben trotz ihrer erfolgreichen Karriere still. Sie begibt sich auf die Reise … Jagoda Marinić: Restaurant Dalmatia weiterlesen

Interview mit Libuse Cerna

Bremen, den 28.10.2014 Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Beschreibe kurz, was die Globale ist. Die Globale ist ein Literaturfestival- das ist erstmal ganz klar. Während des Festivals kommen Autorinnen und Autoren nach Bremen und Bremerhaven. Die meisten von ihnen haben eine andere Muttersprache als Deutsch, schreiben allerdings auf Deutsch. Wir haben aber auch Autoren, die auf Französisch oder auf Spanisch schreiben… alle füllen mit ihrem Schreiben in irgendeiner Art und Weise den Begriff „grenzüberschreitend“ aus. Wie bist du auf die Idee für die Globale gekommen? Vor ungefähr zehn Jahren war es so, dass wenn man von dem Thema Integration sprach, … Interview mit Libuse Cerna weiterlesen

Jaroslav Rudiš: Vom Ende des Punks in Helsinki

„Das ist Punk!“ Jaroslav Rudiš vierter Roman „Vom Ende des Punks in Helsinki“ zeigt auf, wie schwierig es sein kann, sich nach dem Leben als Punk in der Gesellschaft zurechtzufinden – besonders wenn einen die Vergangenheit immer noch verfolgt. Von Kristin Krause Der Mitvierziger und Altpunker Ole, Besitzer der Kneipe Helsinki, lebt seit dem Ende seiner Punkband Automat, die er gemeinsam mit seinem Jugendfreund Frank gegründet hat, visionslos in den Tag hinein und vegetiert merklich vor sich hin. Hinzu kommen seine schmerzlichen Erinnerungen an die junge Punkerin Nancy, die er als Jugendlicher auf dem ersten Ostblock-Konzert der  „Toten Hosen“ in … Jaroslav Rudiš: Vom Ende des Punks in Helsinki weiterlesen

Saša Stanišić: Vor dem Fest

“Wir sind traurig. Wir haben keinen Fährmann mehr.”, so beginnt Saša Stanišić seinen neuen Roman Vor dem Fest. Ein brillantes Werk, das mit der deutschen Sprache spielt und diese ganz neu auslegt. Von Valentina Ann-Katrin Meyer Der Autor ist 1978 in Bosnien/Herzegowina geboren und flüchtete 1992 nach der Besetzung seiner Heimatstadt Višegrads nach Deutschland. In Heidelberg studierte er Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. Sein Debütroman Wie der Soldat das Grammofon repariert erschien 2006 und nun folgt der zweite Roman Vor dem Fest, der im Frühjahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Zunächst trauert das fiktive uckermärkische Dorf Fürstenfelde … Saša Stanišić: Vor dem Fest weiterlesen

Interview mit Dr. Silke Behl

Bremen, den 19.11.2014 Dr. Silke Behl, Kulturredakteurin bei Radio Bremen im Bereich Literatur, wird im Rahmen des Globale Literaturfestivals die Moderation der Eröffnung am Freitag, den 21.11.2014 übernehmen. Sie sind eine Expertin in Literaturfragen und mit vielen Festivals vertraut. Was macht die Globale für Sie zu etwas Besonderem? Das Besondere an der Globale ist der Blick über den Tellerrand. Und die Wahrnehmung dessen, dass bei uns mittlerweile sehr viele Autorinnen und Autoren leben, die einen anderen Hintergrund haben, die aus anderen Ländern zu uns kommen. Damit ist die Globale für mich ein fantastisches Beispiel dafür, wie wir das ernst nehmen. … Interview mit Dr. Silke Behl weiterlesen

Amin Maalouf: Die Verunsicherten

„Ich bin schließlich auf einem Planeten geboren, nicht in einem Land“ empört sich Adam, wenn andere von ihm verlangen, sein Zuhause zu definieren. Seit 20 Jahren lebt der franko-libanesische Historiker nun schon in Paris und hat seitdem keinen Fuß mehr in den Libanon gesetzt. Bis zu dem Tag, an dem er durch einen Anruf erfährt, dass ein alter Freund im Sterben liegt. von Svenja Calvis Die persönliche Komponente dieser Geschichte lässt sich kaum verbergen. Der Schriftsteller Amin Maalouf ist 1949 im Libanon geboren und lebt seit 1979 in Paris. Seit seinem ersten veröffentlichten Essay „Der Heilige Krieg der Barbaren: die … Amin Maalouf: Die Verunsicherten weiterlesen