Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns

Ein literarisches Quartett der ganz besonderen Art zur Lesung von Lana Lux Kukolka und Lize Spit Und es schmilzt.  Von Anastasia Parinow, Celina Imm, Maimuna Sallah und Laura Marie Sturtz. Der Beitrag ist zu hören unter: https://www.dropbox.com/s/4d0qcngx4uk3mvf/Literarisches%20Quartett%20Der%20Ganz%20Besonderen%20ArtMP3.mp3?dl=0 Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns weiterlesen

„Reality is far stranger than fiction…“ – Mehrwert durch Animation

Zur Lesung des Romans Jeder Tag wie heute von Ron Segal von Maimuna Sallah Beherbergt im intimen Ambiente des kleinen Hauses beim Theater Bremen, präsentierte uns der Autor Ron Segal im Gespräch mit David Safier seinen Debütroman „Jeder Tag wie heute“. Das Publikum konnte dabei sowohl auf Hebräisch, der Originalsprache des Romans, als auch auf Deutsch einem Ausschnitt der wunderbaren Geschichte lauschen. Die Vorstellung des Romans und das Gespräch über die in ihm verhandelten Themen bildeten einen Teil der Lesung im Rahmen der diesjährigen globale°. Eine besonders schöne Erweiterung dieser Lesung waren die ersten Einblicke, die Segal uns in den … „Reality is far stranger than fiction…“ – Mehrwert durch Animation weiterlesen

„Poesie ist dafür da Grenzen zu sprengen“ – Interview mit Safiye Can

von Celina Imm Ich treffe Safiye Can nach der globale° Lesung, auf der sie soeben Einblick in ihren neuen Gedichtband Kinder der verlorenen Gesellschaft gewährt hat. Ich warte geduldig bis alle Gäste sich ihre Bücher signiert haben lassen und das ein oder andere Selfie mit der Dichterin geschossen haben. Sie warnt mich vor sehr müde und „unternikotiniert“ zu sein, aber dann packt sie doch aus über Grenzen, Ankommen, Rassismus, AfD und was Lyrik alles kann. Bei globale° geht es um grenzüberschreitende Literaturen und Autor*innen. Da muss natürlich auch eine Frage zu den Grenzen kommen. Mit welchen Grenzen sehen Sie sich … „Poesie ist dafür da Grenzen zu sprengen“ – Interview mit Safiye Can weiterlesen

„Heimat existiert nur als Plural“

Gedanken zur globale°-Finissage mit Ilija Trojanow und Michael Stavarič von Annemieke Kuper 13. November 2017, 19 Uhr. Draußen pfeift der kalte Novemberwind, drinnen, in der imposanten Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses, beginnt gerade die finale Veranstaltung der globale° 2017 mit dem Schriftsteller, Übersetzer und Verleger Ilija Trojanow und dem Schriftsteller und Übersetzer Michael Stavarič. Beide diskutieren heute Abend mit den Festivalleiterinnen Libuše Černá und Universitätsprofessorin Elisabeth Arend und Universitätsprofessor Axel Dunker über das zentrale Thema von Trojanows neuem Roman Nach der Flucht (2017): die Flucht und ihre allumfassenden Auswirkungen auf das Leben der Geflüchteten. Als ich beginne, diese Reflexion zu … „Heimat existiert nur als Plural“ weiterlesen

„Vielleicht können wir uns in der Mitte treffen.“

„Vielleicht können wir uns in der Mitte treffen.“ Lesung mit Hamed Abboud, Der Tod backt einen Geburtstagskuchen von Maria Rukover „Mir ist kalt.“ In der Überseestadt, dem alten Hafengebiet, der einst Bremen mit der Welt verband, findet an diesem Spätnachmittag die Lesung von Hamad Abboud statt. Irgendwie ironisch, dass sie gerade hier stattfindet, an diesem einstigen Verbindungspunkt zur Welt, wo Syrien, Abbouds Heimat, doch nun so abgeschnitten von der Welt erscheint. „Ich habe Hunger.“ Das Licht ist gedämpft als Abbouds Stimme im Saal ertönt. Nicht auf Deutsch, nein, auf Arabisch lässt er die ersten Worte aus seinem neuen Werk verlauten. … „Vielleicht können wir uns in der Mitte treffen.“ weiterlesen

Der Fremde bleibt

Lesung von Ilja Trojanows „Auf der Flucht“, am 13.11.2017 um 19:00 im Rathaus Bremen. Von Athina Anastasiou   Das Leben nach der Flucht ist ein pechschwarzes Tuch, es legt sich über den, der keine Heimreise kennt. Nach ihr bleibt meist nur das, was den einen von dem anderen trennt. Es ist das Sein ohne das eigene Land, so als wäre die neue Heimat nur ein Übergangszustand.   Das Leben nach der Flucht ist ein schwarzseidenes Tuch, es schmiegt sich um den, der kein Ankommen kennt. Nach ihr bleibt meist nur das, was man noch von sich selber kennt. Es ist … Der Fremde bleibt weiterlesen

Wortcollage eines bewegenden Abends

Lesung von Fatma Aydemir „Ellbogen“ und Mohamed Amjahid „Unter Weißen“ um 19 Uhr, am 09.11.2017 im Wallsaal der Stadtbibliothek Bremen“ von Mareike Dominique Grau Kommentare, Ausrufe, Gelächter – die Lesung scheint kaum jemanden im Publikum kalt gelassen zu haben. Ich selbst mache mich später aufgewühlt auf den Heimweg. Erstmal verdauen. Jetzt darüber schreiben. Privilegien. All die Emotionen, die mich bei der Lesung übermannt haben, wollen sich nicht so recht in Worte fassen lassen. Türen. Die Autorin liest aus ihrem Buch vor. Erzählt. Von Vorurteilen. Von Klischees. Gegen Klischees. Der Autor liest aus seinem Lebensalltag vor. Lachen vor Absurdität. Lachen vor … Wortcollage eines bewegenden Abends weiterlesen

Kukolka – Ein Interview mit Lana Lux

Ein Interview mit der Autorin Lana Lux von Neneh Sowe 1) Lana Lux, das Cover Ihres Buches Kukolka fällt sofort ins Auge. Haben Sie selbst auch eigene Ideen bei der Umschlaggestaltung mit einfließen lassen? Ja, ich hatte auch einen eigenen Entwurf gestaltet. Es sollte düster und dunkel wirken. Mit rohem Fleisch, um dieses düstere besser hervorzubringen. Nach einigem Hin und Her einigten wir uns dann auf dieses Cover. 2) Auf dem Cover, sowie im Buch werden immer wieder Samiras strahlende blaue Augen beschrieben. Was hat es damit auf sich? Die blauen Augen kamen erst im Nachhinein. Eine Kritik daran, dass … Kukolka – Ein Interview mit Lana Lux weiterlesen

Die Vergangenheit in die Gegenwart holen

Veranstaltungsbericht zur Lesung von Stefan Hertmans: Die Fremde von Sarah Stoffels Wann ist uns die Vergangenheit so nah? Nur in einem Buch? Ein Stück Geschichte in einer Geschichte? Lebensgeschichten, die schon immer da gewesen sind; nur vor uns verborgen. Direkt vor unseren Augen und doch ungesehen. Die Geschichte; eine Geschichte. Wie bringt man Leben in einen Text? Wie bringt man das wahre Leben in die Literatur? Unter Berücksichtigung dieser Fragen schrieb Stefan Hertmans seinen Roman Die Fremde. Dieser handelt von einer jungen Frau aus Frankreich, die im 11. Jahrhundert vom Christentum zum Judentum konvertierte. Vigdis heißt die junge Frau zu … Die Vergangenheit in die Gegenwart holen weiterlesen

Mit Humor die Ernsthaftigkeit erklärt

Mohamed Amjahid und Fatma Aydemir brachten das Publikum mit Lesungen aus ihren Büchern und mit ihren humorvollen Bemerkungen und Anekdoten immer und immer wieder zum Lachen. Dennoch blieb das mehr als aktuelle Thema Rassismus in ihren Erzählungen in voller Ernsthaftigkeit präsent. Die beiden regten das Publikum zum Nachdenken an und machten diesen Abend zu einem witzigen, informativen, emotionalen und unterhaltsamen Abend. Mit Humor die Ernsthaftigkeit erklärt weiterlesen

Fußball und Identität

Veranstaltungsbericht zur Lesung von Imran Ayata: Ruhm und Ruin von Sarah Stoffels Es ist eine kleine Runde, die sich an diesem Dienstagabend in der Stadtbibliothek Neue Vahr eingefunden hat. Zwischen den alten Klassikern und den aktuellen Büchern der Bibliothek sind mehrere Stuhlreihen für die Besucher der Lesung aufgebaut worden, davor stehen ein runder Tisch mit zwei Stühlen. An dem runden Tisch sitzen der Moderator der Lesung, Walter Langlott, und der Hauptcharakter des heutigen Abends, der Romanautor Imran Ayata. Die Lesung beginnt mit einer kurzen Biografie des Autors. Der Moderator erzählt von Ayatas bisherigem Schaffen und dem Hintergrund des Romans Ruhm … Fußball und Identität weiterlesen

Der Phantasie Raum lassen

Von Ronja Storck   Montagmorgen, 06. November 2017, 10 Uhr: Das Piratenschiff wird gestürmt. In der Kinderabteilung der Stadtbibliothek Bremen geht es bunt zu. Eine zweite Klasse rückt sich auf den Sitzreihen zurecht. Zur Lesung von „Der geheimnisvolle Koffer des Herrn Benjamin“ sind aber auch ein paar Erwachsene erschienen und genauso gespannt wie die Kinder. Die Autorin Pei-Yu Chang stellt sich vor. Sofort schießt eine Hand nach oben: „Das ist ein chinesischer Name.“ Pei-Yu Chang wuchs in Taiwan auf und studierte dort Deutsche Kultur, Sprache und Literatur. Im Jahr 2016 schloss sie ihr Studium an der Universität Münster in Kommunikationsdesign … Der Phantasie Raum lassen weiterlesen

Ein Abend, der einem ein Lächeln ins Gesicht schreibt

Veranstaltungsbericht von Änne Gerdes Auf den ersten Blick scheinen die beiden Autorinnen Safiye Can und Petina Gappah nicht viel gemeinsam zu haben, doch der wunderbare Lesungsabend am 10.11.2017 beweist das Gegenteil. Dem lesebegeisterten Publikum wurden zwei Frauen präsentiert, die schillernder nicht sein könnten. Zusammen mit der Moderatorin Katrin Krämer wurde eine herzliche Atmosphäre kreiert, die durch die gemütliche und warme Bühnendekoration noch verstärkt wurde. Mit unglaublicher sprachlicher Kraft ließen Safiye Can und Petina Gappah das Publikum in ihre Texte eintauchen und führten sie durch eine Gefühlswelt aus Freude, Anspannung, Ärger, Staunen und Vergnügen. Diese Vielfalt an Emotionen, die Safiyes Gedichte … Ein Abend, der einem ein Lächeln ins Gesicht schreibt weiterlesen

Grenzraum Mittelmeer

Beitrag von Änne Gerdes Ein Schwerpunkt der diesjährigen globale° ist die Passage Mittelmeer, in welcher die Ambivalenz des Mittelmeeres als Raum für kulturellen Austausch und als Grenze diskutiert wird. So stehen verbindende und trennende Elemente in einer Beziehung zueinander, die Möglichkeit für einen Neuanfang steht dem Ende eines früheren Lebens gegenüber. Die Veranstaltungen der Passage Mittelmeer, wie zum Beispiel die Fotoausstellung Mein Nachbar der Geflüchtete von Sophie Hériaud, die Lesung von Stefan Hertmans‘ Die Fremde, oder auch das Mittelmeersymposium, in welchem beeindruckende aktive Bremer und Berliner Hilfsorganisationen wie Signal of Solidarity, SOS Méditerranée und das Alarmphone vorgestellt wurden, haben den Blick … Grenzraum Mittelmeer weiterlesen

Wie es ist, ein Eisblock zu sein

Rezension von Athina Anastasiou Nach neun Jahren entscheidet sich Eva zum Schauplatz ihrer Vergangenheit zurückzukehren. Dorthin, wo sie längst nicht mehr sein wollte: Bovenmeer, einer kleinen Provinz am Rande Belgiens, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Mit einem Eisblock im Kofferraum startet sie ihre Reise in Belgien, fängt immer wieder Gedankenschnipsel längst verdrängter Erinnerungen auf. Sie handeln von dem Bund der Freundschaft, dem aufregendsten Sommer ihres Lebens, von all den Enttäuschungen und Schmerzen ihrer längst zerbrochenen Familie. Lize Spit erzählt mit ihrem Debütroman die Geschichte einer Frau, die uns von den Ereignissen ihrer trostlosten Kindheit berichtet. Dabei setzt sie den Stift … Wie es ist, ein Eisblock zu sein weiterlesen

Gemacht an der Front, gedeutet am Küchentisch

Rezension von Annemieke Kuper „Meine kroatische Familie ist wie ein Beefsteak Tatar, dieses Gericht, das auf dem Teller gut aussieht, von dem aber niemand so genau weiß, was es enthält.“ So beginnt Richard Swartz‘ Blut, Boden & Geld (2016), ein in vielerlei Hinsicht anspruchsvolles Werk, das im komplexen kulturellen Geflecht der kroatischen und jugoslawischen Geschichte einen Bogen zwischen Krieg, Identität und der Unbeständigkeit des irdischen Daseins spannt. Richard Swartz ist Schwede, lebt aber seit etwa 25 Jahren in einem kleinen Dorf im istrischen Sovinjak und pendelt mehrmals im Jahr zwischen Wien, Zagreb und seiner Geburtsstadt Stockholm. Wie seine Publikationsgeschichte zeigt, … Gemacht an der Front, gedeutet am Küchentisch weiterlesen

Ein Schlag in die Magengrube

Rezension von Annika Depping Ellbogen Hazal ist Deutschtürkin und die Welt hat nichts anderes im Sinn, als ihr die Ellbogen in den Magen zu rammen. Also schlägt Hazal zurück, schlägt in der Nacht ihres achtzehnten Geburtstags einen Studenten, bis er auf die U-Bahn-Gleise fällt. Blut spritzt, Hazal und ihre Freundinnen laufen davon. Boom – Fatma Aydemirs Roman „Ellbogen“ trifft zwischen die Rippen, dass einem die Luft wegbleibt. Hazal ist die Ich-Erzählerin in Aydemirs Roman. Sie redet frei von der Leber weg, flapsig gehen ihr Sätze wie „diesem Leben gehört ordentlich die Mutter gefickt“ über die Lippen und verleihen Hazal eine … Ein Schlag in die Magengrube weiterlesen